Besuchen Chioggia

Canal Vena

Ein Spaziergang entlang des Corso del Popolo

Chioggia ist vom Meer und auch vom Land erreichbar. Die Anfahrt über das Hinterland ist natürlich kürzer. Auch der Landweg ist nicht weniger stimmungsvoll, wenn die Niederungen der Lagune die Farben des Himmels wiederspiegeln und im Hintergrund die bizzare Silouette der Stadt auftaucht.

Für den, der sein Auto parken will, sieht Chioggia auf dem ersten Blick sehr verwirrend aus mit alle seinen Kanälen und Fluchten. Das täuscht, denn das Zentrum ist relativ klein und in 5 Minuten von jedem Parkplatz aus erreichbar.

Wenn Sie auf dem Landwege anreisen, betritt man die Stadt durch das im Jahre 1520 wiedererrichte Stadttor „Porta Garibaldi“. Hier beginnt der Corso del Popolo, die Straße, die die Stadt in Längsrichtung durchquert. Vom Corso gehen 73 Calli aus; 32 gehen in Richtung Canal Lombarrdo (im Westen) und 41 in Richtung Canale S. Domenico (im Osten). Zu den Calli kommen ca. 40 andere kleinen Gässchen, Strassen, kleine und größere Plätze hinzu.

Der erste Sehenswürdigkeit ist die Kathedrale von  Santa Maria Assunta. Sie wurde nach dem Weihnachtsbrand 1623 nach Plänen des jungen Baldassarre Longhena erbaut.

Im südlichen Teil der Kathedrale befindet sich der Garten von Sagraéto, wo die Steinbalustrade hervorsticht. Sie wurde zwischen 1691 und 1714 erbaut und war einmal die Freitreppe des alten Stadtpalastes.

An einer zentralen Stelle der Steinbalustrade befindet sich die Heilige Jungfrau mit dem Kind. Diese Stelle hat auch den Namen „Refugium Peccatorium“.  Neben der Steinbalustrade befinden sich auch die Überreste des antiken Peròtolo Kanales, nach dem auch das Stadtviertel benannt ist. Wenn man den Corso del Popolo weitergeht – das alleine ist schon sehr aufschlussreich – kommt man zur kleinen spätgotischen Kirche chiesetta di San Martino Vescovo, welche Ende des 14. Jahrhunderts nach dem „Krieg von Chioggia“ erbaut wurde. Darin befinden sich 2 Flügelaltare der Schule des Paolo Veneziano aus dem 14. Jahrhundert.

Sobald der Corso den Calle San Giacomo kreuzt, der den Corso ostwärts unterbricht, wird der Spaziergang noch angenehmer, da ab hier von 10 bis 20 Uhr Fußgängerzone ist, im Sommer sogar bis 1 Uhr nachts.  Angrenzend zum Calle, der über die Brücke ponte dell’unione nach Sottomarina führt, befindet sich die Basilica di San Giacomo Apostolo. Die Basilika wurde im Jahre 1790 nach Plänen von Domenico Pelli fertiggestellt.

Wenige Schritte später kommt man zur antiken Loggia dei Bandi, die auf den Corso hinausgeht. Man erkennt sie an dem klassischen Bogengang mit palladianischen Einfluß. Von der im Jahre 1531 erbauten Loggia aus wurden öffentliche Anordnungen verkündet. Heute ist sie Sitz der Stadtpolizei. Der kleine Platz, der sich zwischen der Loggia dei Bandi und dem Rathaus liegt, wird von der Stendardo Säule überragt. Sie wurde im Jahre 1713 vom venezianischen Bildhauer Gioseffo Zeminiani erbaut und dient als Fahnenstange.

Jetzt ist es Zeit, ein paar Schritte in Richtung historisches Zentrum zu machen, in dem man an der Loggia dei Bandi vorbei und bis zur Brücke Ponte Filippini (so heißt auch das Oratorium gleich nach der Brücke) geht. Hier befindet sich die S.S. Trinità Kirche, welche wie die das Oratorium im Jahre 1528 von der Rossi bzw. Battuti – Konfraterinät erbaut wurde. Das heutige Bauwerk mit griechischem Kreuz entstand durch einen Wiederaufbau im Jahre 1705 nach Plänen von Andrea Tirali. Der Gemäldezyklus an der Decke ist ein schönes Beispiel der spät-manieristischen venezianischen Schule. Maler wie Paolo Piazza (Oval mit der Abbildung des Paradieses), Alvise del Firso (die Verkündigung, die Geburt, die Tempelbegegnung) und Palma il Giovane (Jesu am Kreuzweg) haben daran mitgewirkt.

Das heutige Rathaus „palazzo municipale“, mit habsburgischen Einfluß, befindet sich dort, wo sich einst der alte Podestà palazzo befand, der im Jahre 1817 durch einen Brand fast vollkommen zerstört wurde.

Nördlich des Rathauses befindet sich der antike Getreidespeicher aus dem 14. Jahrhundert. Er wurde im Jahre 1322 nach Plänen des Architekten Matteo Caime erbaut und diente als gemeinschaftlicher Getreidespeicher. Das im gotischen Stil erbaute Gebäude hat den Krieg von Chioggia überstanden und steht auf 64 Säulen aus Istrien-Stein. Seitlich zeigt es das Portale di Prisca, welches von Amleto Sartori im Jahre 1940 geschaffen wurde und den Eingang zum Fischmarkt darstellt.

Eine andere Kirche steht mit seiner östlichen Seitenwand zum Corso. Es ist die Kirche, die Sant’ Andrea Apostolo geweiht wurde. Sie wurde 1743 nach dem alten romanischen Grundmuster wiedererrichtet und zwar an der Stelle, wo vorher eine Kirche aus dem 8. Jahrhundert stand.

An dieser Stelle des Stadtspazierganges sieht man schon das Hafenbecken von Vigo. Es ist der Anlageplatz der Stadt für alle, die übers Wasser anreisen. Der kleine Platz wird von der Säule mit dem Löwen des Heiligen Markus beherrscht. Sie ist aus griechischem Marmor und hat ein byzantinischen Kapitel aus dem 12. Jahrhundert. Aufgrund der bescheidenen Größe des Löwen, Symbol der „Serenissima“, nennen ihn die Chioggianer „el gatto“, die Katze.

Wenn man in Richtung Osten blickt, sieht man die Vigo Brücke, welche den Platz mit den Vena-Befestigungen und San Domenico verbindet. Es ist die beeindruckendes Brücke der Stadt. Sie wurde 1685 in Istrien-Stein erbaut und 1762 mit Reliefs der Verkündigung und der Heiligen Felice und Fortunato, den Stadtpatronen, verziert. Ein Blick vom höchsten Punkt der Brücke bietet einen atemberaubenden Ausblick. Am Morgen, bei klarem Himmel, kann man bis zur Insel Pellestrina blicken.

Wenn Sie die Vigo-Brücke überqueren, geht man an der kleinen Kirche Santa Croce vorbei, die im Jahre 1496 erbaut wurde und jetzt Sitz der Hafenaufsicht ist und, und befindet sich dann auf dem Calle Santa Croce und ist bald an der nächsten kleinen Brücke angelangt,  welcher die Grundmauern des Santo Domenico Kanals mit der gleichnamigen Insel verbindet. Auch von dieser Brücke kann man eine unvergessliche Ausblick genießen: ein Stück des betriebsamen Chioggias: man sieht die zahlreich auf dem Kanalgrund schwimmenden kleine Fische und wenn man Richtung Ostufer blickt den Fischmarkt, wo die Fischer jeden Morgen um den Fang feilschen, der aus dem gesamten Adriaraum stammt. Wenn man von der Brücke runterkommt, sieht die San Domenico Kirche, die einst im 13. Jahrhundert den Dominikanern gehörte und im 18. Jahrhundert wiederaufgebaut wurde. Im Inneren der Kirche, im so genannten vom hölzernen Christus dominierten Santuario del Cristo,  befinden sich einige Werke berühmter Künstler wie die L’apparizione del Crocifisso a San Tommaso von Tintoretto (1518-1594) und San Paolo, das letzte mit 1520 datierte von Vittore Carpaccio signierte Werk. Der Kirchturm ist im romanischen Stil erbaut und geht auf das 13. Jahrhundert zurück.

Wenn man in Richtung Piazza Vigo zurückgeht, kann man als Alternative zum Corso in den Calle Vena einbiegen oder, nachdem man den kleinen Platz überquert hat, auf die Uferpromenade des Lombardo Kanals einbiegen. Der erste Rundgang bietet eine Reihe von Geschäften und Verkaufsständen. Hier findet man auch das tradionelle Bossolà, ein ringförmiges Zwiebackbrot und Bäckereien, die mit Karotten und Radicchio hergestellt wurden. Man kommt hier auch an dem Palazzo Grassi vorbei. Einst von der adligen Familie Grassi, die auch den berühmten Palazzo Grassi in Venedig erbauen ließ, im Jahre 1670 bis 1678 erbaut, beheimatet er heute die meeresbiologische Abteilung der Universität von Padua. Im Innenhof befinden sich Allegorienstatuen in Istrien-Stein, welche die 4 Elemente darstellen. Wenn man weiter Richtung Süden geht, trifft man auf einem Kloster und auf die Santa Caterina Kirche aus dem 14. Jahrhundert, welche 1730 im barocken Stil renoviert wurde. In der Kirche befindet sich hingegen Il battesimo di Gesù von Palma il Vecchio und Il crocefisso e i santi, das der Piazzetta Schule zugeordnet wird. Wenn man am Ufer weitergeht, kommt man zur Kirche San Filippo Neri, die 1768 erbaut wurde. Im Inneren befinden sich Werke von Antonio Martinetti, genannt Chiozzotto, dem treuesten Piazzetta Schüler. Hier befinden sich u.a. eine Serie von Heiligenporträts, die Ritratti di Santi.

Wenn man will, kann man auch die Uferseite des Canale Lombardo entlang gehen und gewinnt dabei einen anderen Blick auf die Stadt, nämlich den des Hafens und des Fischfangs. Abends kann man in diesem Stadtteil von Chioggia, am besten von einer Terasse aus, atemberaubende Sonnenuntergänge erleben. Die Sonne taucht in einem bestimmten Moment die Kanäle in das rosa und hellblaue Licht der Lagune.

Duomo di S. Maria AssuntaFontana dei giardini del SagraétoRifugium PeccatorumPalazzo MunicipaleBase marmorea della colonna dello StendardoPonte di Vigo"El Gato", colonna con il leone di San Marco